• Konzept

    Grundlage unserer therapeutischer, beratender Arbeit ist der Approche Sexocorporelle

    (kurz von A. Bauer zusammengefasst, 2013)

    Was heißt “Sexocorporel”?

    Der Ansatz (Approche) des Sexocorporel wurde in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Jean-Yves Desjardins in Kanada (Montreal, Quebec) entwickelt. An der dortigen Universität entstand die erste sexologische Fakultät (1968), von der aus bis heute zahlreiche sexualwissenschaftliche Forschungen inspiriert wurden.

    Der Sexocorporel ist ein Modell sexueller Gesundheit. Der Begriff “Sexocorporel”, der aus dem Französischen kommt, lässt sich nicht übersetzen und drückt aus, dass Körper und Hirn eine Einheit sind, deren getrennte Betrachtung nur begrenzt Sinn macht.

    In unserer Gesellschaft und in klassischen Psychotherapien herrscht oft eine duale-vertikale Sichtweise vor, nach der Psyche, Geist eines Menschen “oben”, also eher im Gehirn, die Sexualität dagegen “unten” im Körper wohnen. Und traditionell werden  sexuelle Probleme oder Auffälligkeiten als Ausdruck seelischer Konflikte beurteilt – was für viele Menschen stigmatisierend und verunsichernd ist. Zumal sich viele psychotherapeutische Behandlungsansätze heute eingestehen müssen, dass selbst langanhaltende Interventionen nur sehr begrenzt Veränderungen der sexuellen Probleme, insbesondere bei sogenannten “Perversionen” erbrachten.

    Perversionen?

    An dieser Stelle soll deutlich gesagt sein, dass die Bezeichnung heterogener Modi, also die Art und Weise, wie Menschen sich erregen, als “Perversionen” übrigens völlig fehl am Platze ist, da in fast allen Fällen psychisch völlig gesunde Menschen lediglich durch fehlende sexuelle Lernschritte abhängig von gemeinhin eher als ungewöhnlich empfundenen Erregungsquellen und Erregungsmethoden sind. Nur in wenigen Fällen sind sexuelle Probleme Ausdruck einer schweren Persönlichkeitsstörung, im Gegenteil, oft verursachen sexuelle Probleme weitere Beschwerden, beispielsweise Erektionsprobleme Depressionen.

    Erregungsmodus

    Wir wissen mittlerweile, dass die explizite sexuelle Realität eines Menschen, das heißt, wie er sich erregt, wie er sexuelle Erregung steigert (der sogenannte Erregungsmodus) der wesentliche Einfluss auf das sexuelle Erleben ist. Der Erregungsmodus bestimmt, wie sexuelle Fantasien und Vorstellungen oder Vorlieben entstehen; ist somit ein direkt-kausaler Zusammenhänge zu sexuellen Problemen. Die sexuellen Probleme strahlen dann in viele Ebenen aus: Partner-/Beziehungsebene, Depressivität, Körperbildstörungen, usw.

    Menschen lernen – Tabus und Mythen

    Der Sexocorporel zeigt, dass  jeder Mensch lebenslang sexuelle und körperliche Fähigkeiten erlernt, die es ihm ermöglichen, Gefühle zu regulieren, und auf dieser Basis erfüllende, befriedigende sexuelle Beziehungen und Liebesbeziehungen zu führen. “Menschen lernen ein Leben lang”, diese Aussage ist trivial und trifft auch in der Sexualität zu. Wir entwickeln uns ständig weiter, allerdings existieren im Bereich der Sexualität unzählige Mythen, Tabus, Ideale und Halbwissen, so dass es nicht selbstverständlich ist, dass ein Mensch erlernt, etwa Erregung zu steuern oder Erregung steigern und lustvoll – das heißt in Verbindung mit positiven Gefühlen zu erleben. Schule und andere Ausbildungsstätten befassen sich oft nur mit Anatomie bzw. Risiken (Geschlechtskrankheiten) und Nebenwirkungen (Schwangerschaft bzw. Verhütung) der Sexualität, Eltern vermitteln Kindern nur sehr begrenzt Wissen, wenn sie es denn selbst haben sollten. Junge Menschen werden in ihrem sexuellen Lernen nicht gefördert, alleine gelassen, Fachpersonen meiden das Thema bzw. sind selbst schlecht ausgebildet und dann wundern sich Erwachsene, wenn es zum Beispiel in fortgeschrittenem Alter, wenn es anatomische Veränderungen gibt oder auch bei der Passung mit einem Partner zu Problemen kommen kann.

    Fast alle Menschen nennen eine für sie passende und zufrieden stellende Sexualität einen wichtigen Lebensinhalt.

    Wir berücksichtigen, dass Menschen oft nur Halbwissen über Sexualität erwerben konnten, dass sie verunsichert sind und insbesondere vor dem Hintergrund der Gesellschaft mit deren Klischees und mit partnerschaftlichen Erwartungen dann überfordert werden, keine emotionale Befriedigung mehr erleben oder in Partnerschaftskrisen geraten.

    Oder dass sexuelle Funktionsstörungen die Folge sind:

    Vorzeitiger Samenerguss; Erektionsprobleme; Schmerzen beim Geschlechtsverkehr; zunehmende Erkrankungen der Geschlechtsteile (Pilze, Infektionen usw.); Unlust; Schwierigkeiten, sexuelle Erregung zu steuern, einen Orgasmus zu haben oder zu ejakulieren; Ängste vor Sexualität; Partnerschaftsprobleme; Fetischismus; Probleme mit der Geschlechtsidentität und daraus resultierend viele Folgeprobleme wie Depressionen, Schmerzen usw.

    Menschen, die sexuelle Probleme haben, die sie oft selbst nicht verstehen, und therapeutische Hilfe suchen, sind vom fachärztlichen Standpunkt aus psychisch und physisch gesund, nach unserem Ansatz helfen wir ihnen, die Probleme zu verstehen und Lösungen zu finden.

    Behandlungsmöglichkeiten

    Wir zeigen unseren Klienten auf, welche Fähigkeiten sie bereits erworben haben, machen uns gemeinsam ein Bild, welche Lernschritte noch erfolgen könnten Wir informieren über Erkenntnisse der aktuellen Sexualforschung/-Medizin, und schauen gemeinsam, welche Ziele erreichbar sind. Bei Bedarf beziehen wir den Partner mit ein, wichtig ist jedoch, dass Sexualität individuell gelernt wird, dass also jeder Mensch einzeln lernen kann, Erregung zu steigern, zu steuern, genussvoll, also emotional positiv zu erleben; und diese Fähigkeiten natürlich in Partnerschaften und Beziehungen einbringen kann – was aus unserer Erfahrung einen großen Beitrag zur Aufrechterhaltung und Erfüllung von Paarbeziehungen darstellt, aber auch sehr wichtig für individuelle Gesundheit, für Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit ist.

    Außerdem ist eine emotional befriedigende Sexualität eine große Ressource, wenn Stress oder kritische Lebensereignisse auftreten.

     

    Das Sexocorporel-Konzept von Jean-Yves Desjardins (1931-2011)

    wurde an der Universität Montreal entwickelt. Das für die Praxis entwickelte Modell erlaubt eine Betrachtung aller sexologisch relevanten Komponenten und fokussiert die körperlich-genitale Ebene im direkten kausalen Zusammenhang eines sexuellen Problems.

    Hier ein kurze Einführung des Konzepts: